*Memento Mori*

Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein;
Wo jetz und Städte stehn, wird eine Wiese sein,
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden;

Was jetz und prächtig blüht, soll bald zertreten werden;
Was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein;
Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.

Der hohen Taten Ruhm muss wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?
Ach, was ist alles dies, was wir vor köstlich achten,

Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind,
Als eine Wiesenblum, die man nicht wieder find't!
Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten.

Andreas Gryphius (1616 -- 1664)

                                                                 

Memento Mori - 
Bedenke, dass du sterblich bist!

Diese Worte sollen dem siegreichen, römischen Feldherren in seinem Triumphwagen von einem Sklaven oder Priester ins Ohr geflüstert worden sein. Sie sollten ihn vor dem Hochmut bewahren, sich selbst für göttlich zu halten. Memento Mori ist die Kurzform von "Memento moriendum esse" und könnte ursprünglich einem Bibel-Psalm entstammen: "Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden".

In der Geschichte des Christentums wurde das Memento-Mori-Zitat gern verwendet, um die Eitelkeit des Menschen vor dem Hintergrund seiner Vergänglichkeit anzuprangern. Die um 1070 in einem Kloster entstandene Reimpredigt "Memento Mori" war als Antwort zu verstehen auf das zu jener Zeit moralisch auf einen Tiefpunkt gesunkene Leben. Das Werk handelte vom ewigen Gegensatz von Diesseits und Jenseits, Gott und der Welt. Die Welt ist schlecht und voller Übel, sie ist von Vergänglichkeit und Tod bestimmt. Durch Weltabkehr und Entsagung, Nächstenliebe und Gerechtigkeit sollte man sich im irdischen Leben bewähren und auf den Tod und das jüngste Gericht vorbereiten. Das Auftreten der Pest sowie der 30jährige Krieg verstärkten später noch einmal den Memento-Mori-Gedanken.

"Der alte Prager Friedhof"

 

Prag läßt nicht los. Dieses Mütterchen hat Krallen.

 

Kutna Horá - das Beinhaus zu Sedlec

 

...kommt mit auf eine Reise ins Reich der Vergessenen und Namenlosen.

 

Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein:
Wo jetzt noch Städte stehn, wird eine Wiese sein,
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.

 

Aufschrei im Schlaf; durch schwarze Gassen stürzt der Wind,
Das Blau des Frühlings winkt durch brechendes Geäst,
Purpurner Nachttau und es erlöschen rings die Sterne.
Grünlich dämmert der Fluß, silbern die alten Alleen
Und die Türme der Stadt. O sanfte Trunkenheit
Im gleitenden Kahn und die dunklen Rufe der Amsel
In kindlichen Gärten. Schon lichtet sich der rosige Flor.

Feierlich rauschen die Wasser. O die feuchten Schatten der Au,
Das schreitende Tier; Grünendes, Blütengezweig
Rührt die kristallene Stirne; schimmernder Schaukelkahn.
Leise tönt die Sonne im Rosengewölk am Hügel.
Groß ist die Stille des Tannenwalds, die ernsten Schatten am Fluß.

Reinheit! Reinheit! Wo sind die furchtbaren Pfade des Todes,
Des grauen steinernen Schweigens, die Felsen der Nacht
Und die friedlosen Schatten? Strahlender Sonnenabgrund.

Schwester, da ich dich fand an einsamer Lichtung
Des Waldes und Mittag war und groß das Schweigen des Tiers;
Weiße unter wilder Eiche, und es blühte silbern der Dorn.
Gewaltiges Sterben und die singende Flamme im Herzen.

Dunkler umfließen die Wasser die schönen Spiele der Fische.
Stunde der Trauer, schweigender Anblick der Sonne;
Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden. Geistlich dämmert
Bläue über dem verhauenen Wald und es läutet
Lange eine dunkle Glocke im Dorf; friedlich Geleit.
Stille blüht die Myrthe über den weißen Lidern des Toten.

Leise tönen die Wasser im sinkenden Nachmittag
Und es grünet dunkler die Wildnis am Ufer, Freude im rosigen Wind;
Der sanfte Gesang des Bruders am Abendhügel.

 

GeorgTrakl*

 

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