~Irland - meine Sehnsucht~

Ich bin ausgelaugt vom Träumen; 
Ein verwitterter Marmorneptun 
Unter Wassern, die schäumen.
Und den ganzen Tag sehe ich 
Die Schönheit dieser Frau, 
Als ob ich in einem Buch 
Eine gemalte Schönheit anschau, 
Froh, die Augen gefüllt zu haben
Oder die Ohren, die offen waren, 
Glücklich, weise entsagt zu haben,
Denn Männer gewinnen mit den Jahren;
Und doch, und doch,
Träume ich oder ist dies wahr?
O, ich wünschte, wir hätten uns noch
Getroffen, als ich voll feuriger Jugend war!
Doch ich werde alt vom Träumen; 
Ein verwitterter Marmorneptun 
Unter Wassern, die schäumen.
William Butler Yeats*

Doch, oh – es regt sich leis wie Wind!
Ein Wellen durch das Wasser rinnt –
Als ob die Türme im sachten Sinken
Die Flut verschöben zur Rechten und Linken –
Als ob schon die Spitzen inmitten des blassen
Himmels Lücken zurückgelassen.
Ein roteres Glimmen steigt heran –
Die Stunden halten den Atem an –
Und wenn die Stadt hinab, hinab
Von hinnen sinkt mit unirdischem Stöhnen,
Wird ihr von eintausend Thronen herab
Der Gruß der Hölle tönen.

 

Edgar Allan Poe*

Auf die Stirn dir diesen Kuß!
und da ich nun scheiden muß,
sag' dies ich nur zum Schluß:
Ganz recht hat eure Klage,
daß ein Traum warn meine Tage;
doch ob nun die Hoffnung froh
bei Tag, bei Nacht, ob irgendwo
in Schlafgesichten, müdem Sinnen,
ist sie darum nicht von hinnen?
Was wir scheinen und schaun im Raum,
ist nur ein Traum in einem Traum.

Im Brandungsbrüllen steh'
ich an küstenquälender See,
und ich halte in der Hand
Körner vom goldenen Sand-
wie wenige! doch sie rinnen
durch die Finger mir von hinnen,
und ich weine - wie von Sinnen!
Kann ich nicht dichter falten
die Hände, sie zu halten?
O Gott! wie rette ich schier
nur eins vor der Welle Gier?
Ist, was wir scheinen und schaun im Raum,
nur ein Traum in einem Traum?

 

Edgar Allan Poe*

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